Island 2017
Auf die harte Tour
Teil 2

 

Weiter

Heute geht es weiter in Richtung Uxatindar. Dort wollen wir unser nächstes Rastlager aufbauen - allerdings müssen wir uns vorher noch durch eine Schlucht kämpfen. 

Schneefelder versperren uns den Weg und sind zu dünn als das man über sie gehen könnte. Daher sind wir immer wieder gezwungen in den Hang auszuweichen. Mehrfach müssen wir den Fluss queren - das alles kostet Zeit und ist mit immer noch 37 Kg Gepäck extrem kräftezehrend. 

Letztendlich kommen wir viel später als erwartet am Etappenziel an. 

Wer jetzt meint damit wäre der Tag vorbei irrt sich gewaltig. Durch den vielen Regen ist es nicht einfach einen guten Platz für unsere Zelte zu finden. Er sollte nicht zu steinig, gerade und nicht vollkommen durchnässt sein.

Nach ca. 30 Minuten haben wir ein wunderbares Plätzchen gefunden. Die Zelte sind schnell aufgebaut, und schon bald sitzen wir gemütlich in unseren Zelten. 

Die beeindruckende Landschaft gepaart mit einer fast unheimlichen Stille zieht mich in ihren Bann. Fast könnte man meinen alleine auf der Welt zu sein. 

Nur aus dem Nachbarzelt höre ich ein "hm hm hm....hm hm hm...". Ein untrügliches Zeichen - Martin isst etwas, schon wieder ;-)

Die Nacht war ruhig und kalt. 

Wir verlassen dieses wunderschöne Tal und unser Weg führt uns nun zur letzten offiziellen Wanderhütte auf unserer Tour. 

Die Strecke geht zunächst steil bergauf, das Wetter bessert sich und endlich können wir die Regenjacken im Rucksack verstauen.

Der heutige Tag ist berauschend. Ich empfinde es als Privileg diese Landschaft, so abgeschieden, schroff und dennoch atemberaubend schön, ohne die auf Island vielerorts üblichen Touristenmassen geniessen zu dürfen. 

Aber wie so oft im Leben zahlt man einen Preis. In meinem Fall sind es immer stärker werdende Schmerzen in der Hüftgegend. Der Rucksack drückt genau auf den Ischias und jeder Schritt bergauf wird zur Qual.

Nachdem wir einen Gletscherfluss gequert haben führt uns der Weg erneut steil bergauf. Ich habe mittlerweile kaum noch Gefühl im rechten Bein. Stress pur, denn abrutschen möchte man mit mit diesem Gewicht auf dem Rücken auf keinen Fall.

Nach weiteren Kilometern vorbei an unzähligen Fotomotiven erreichen wir am Nachmittag die Hütte in der wir auch übernachten werden.

Auf der einen Seite ist es schön zur Abwechslung mal wieder ein festes Dach über dem Kopf zu haben, auf der anderen Seite ist man im Zelt einfach näher dran - mitten in der Natur. 

Wir legen uns kurz hin und ich schlafe recht schnell für ein paar Minuten ein. Geweckt werde ich durch ein stetiges "hm...hm...hm..." - Essenszeit!

Abends sitzen wir dann noch gemütlich zusammen, lassen den Tag revue passieren und planen die nächste Teilstrecke.

 

Der Sturm

Am nächsten Morgen machen wir uns auf zum See Langisjör. Auf dieses Etappenziel freue ich mich mich besonders.

Kurz nach unserem Aufbruch fängt es an zu regnen. Wir queren einen steilen Bergrücken auf einem extrem schmalen Pfad der jeden Schritt zu einem Abenteuer werden lässt. Der Regen peitscht über uns hinweg. Die Sicht wird immer schlechter und wir verlieren für kurze Zeit die Orientierung. 

Karte und GPS sind nicht eindeutig, die Sicht extrem eingeschränkt. Es geht weiter bergauf und mit jedem Höhenmeter scheint die Temperatur zu fallen und der Wind an Stärke zu gewinnen.

Vom Bergrücken schauen wir in ein kleines Tal und entscheiden für heute die Tour zu beenden. Dort unten sollten wir einen sicheren Platz für die Nacht finden können.

Der Zeltaufbau verläuft trotz aller Erfahurng chaotisch, denn mittlerweile hat der Wind Sturmstärke angenommen. 

Nur zusammen schaffen wir es mein Zelt sicher zu verankern. Der Aufbau des zweiten Zeltes scheitert aufgrund orkanartiger Böen die über uns hinwegziehen. Der Himmel verdunkelt sich mit jeder Minute und wir sichern die Leinen meines Zeltes mit schweren Steinen. 

Zusammen liegen wir auf 120cm in meinem Zelt während der Sturm draussen stetig an Kraft gewinnt. Der Wind reißt an den Zeltwänden und versucht es hoch zu heben. Kurz überlegen wir ob wir den Notrufsender betätigen - aber wer sollte bei diesem Sturm überhaupt hier heraus kommen können?

Der Sturm wütet für Stunden und in dieser Nacht machen wir kein Auge zu.

Am nächsten Morgen hat der Sturm endlich ein Ende gefunden. Wie ein Wunder hat das Zelt die Nacht fast schadlos überstanden. Was nun folgt sind 24 Stunden Dauerregen. 

Nur für jeweils ein paar Minuten können wir in dieser Zeit das Zelt verlassen. 

Fotografiert haben wir in dieser Zeit nicht. Ein Zeichen für die Angespanntheit der Lage.

Nur ein Foto gibt es von unserem Rastplatz - unser Zelt ist darauf nicht einfach zu finden.

Am nächsten Morgen klart es endlich auf und wir geniessen die ersten warmen Sonnenstrahlen seit Tagen.

Euphorisch wandern wir über den nächsten Bergrücken und staunen nicht schlecht. Unser eigentliches Etappenziel vom Vortag lag in greifbarer Nähe.

Was für ein Ausblick!

Langisjör

 

To be continued...