Island 2017
Auf die harte Tour

Der Start

Einsamkeit, Wind, Regen, Sturm, Fliegen, Kälte, Schmerzen, und dennoch eine faszinierende Tour – so kann man meine Trekkingreise mit Martin Hülle auf Island beschreiben.

14 Tage Trekking in unberührter Natur – das wollte ich schon immer einmal erleben. Auf meinen bisherigen Reisen bin ich überwiegend mit dem Wohnmobil oder dem eigenen Auto unterwegs gewesen. Die Landschaften habe ich mir dann über anspruchsvolle Tagestouren erwandert.

Auf Island kam das jedoch nicht in Frage. Ich wollte in die Einsamkeit – weg von den bekannten Touristenpfaden. 

14 Tage ohne Versorgungsmöglichkeit, ohne Strom und ohne Mobilfunknetz erfordern einiges an Vorbereitung. Die komplette Ausrüstung mitsamt der Lebensmittel,  Bekleidung, Zelt, Notfallsender, GPS, Kameraequipment etc. musste im Rucksack verstaut werden. Am Ende wog der Rucksack 30 kg und die zusätzliche Fototasche nochmals 7 kg.

Wir verbringen einen Tag in Reykjavik, um noch ein paar Dinge wie z. B. Gas für die Kocher zu kaufen. Außerdem registrieren wir uns noch bei SAFETRAVEL.IS – meldet man sich dort nicht von seiner Tour zurück, wird eine Suche eingeleitet. Ausführlich fragt man mich dort, wie ich mich auf die Tour vorbereitet hätte und ob ich wüsste, auf was ich mich da einlasse. Mein Respekt vor dieser Tour wächst, und das Gewicht des Rucksacks verdrängt die Vorfreude tatsächlich ein wenig. 

Abends gehen wir dann noch etwas essen... für mehr als zwei Wochen unsere letzte warme Mahlzeit, die nicht aus einer Tüte kommt.

 

Am nächsten Morgen geht es endlich los. Nach 20 Minuten Fußmarsch zum Busbahnhof fahren wir heute in ca. 8 Stunden zu unserem Ausgangspunkt Hólaskjól im Hochland Islands. 

Unser Hochlandbus ist ein recht alter und geländegängiger Allradbus. Nach ca. 50 Minuten Fahrt gibt er seinen Geist auf. Das fängt ja gut an... Mitten im Nirgendwo stehen wir und warten. Für die Isländer ist das wohl Tagesgeschäft. Es dauert keine 30 Minuten und ein Ersatzbus kommt angefahren. 

Weiter geht es über abenteuerliche Pisten, durch Flüsse und grandiose Landschaften.

Auf dem Weg nach Hólaskjól

Nach ein paar Stunden erreichen wir Landmanalaugar. Hier haben wir zwei Stunden Aufenthalt und wechseln dann in einen anderen Bus. Obwohl noch keine Hauptsaison ist, herrscht hier schon reger Betrieb. Von hier aus gelangt man auf den bekannten Laugavegur – mittlerweile so überlaufen, dass man die Zeltplätze weit im Voraus buchen muss. Wir werden sehr viel einsamer bzw. alleine unterwegs sein. 

Schließlich erreichen wir unseren Zeltplatz bei Hólaskjól. Dieser liegt einsam an einem Fluss, und die erste Nacht im Zelt macht Lust auf mehr.

Das erste Frühstück

Das erste Frühstück

Am nächsten Morgen geht es dann endlich los. 17 km Strecke durch unwegsames Gelände sind für den ersten Tag geplant. Mein Gott, ist dieser Rucksack schwer!

Ich habe keine Schmerzen mehr – zumindest bis ich den Rucksack umschnalle. Nach nur einem Kilometer kommen die Schmerzen zurück. Der Rucksack drückt wohl genau auf die Stelle, von der die Schmerzen ausgehen… vermutlich der Ischias. Man muss es positiv sehen: nehme ich den Rucksack ab, sind die Schmerzen nach 30 Minuten wieder weg.

Schlagartig ändert sich das Wetter. Schwarze Wolken ziehen auf, und in der Ferne sehen wir schon den ersten Regen über die Landschaft peitschen.

Wir sind keine drei Kilometer unterwegs, da fängt es in Strömen an zu regnen. Der Regen hält bis zur Schlucht Elddja an. Hier legen wir unsere erste Pause ein. Alle 60 Minuten werden wir auf unserer Tour anhalten um etwas zu trinken und zu essen. Pro Tag haben wir ca. 4000 Kalorien im Gepäck… und trotzdem werde ich am Ende der Tour 3 kg Gewicht verloren haben.

 

Unser Plan war, die Schlucht bis zum Ende zu durchwandern, um dann über den Bergrücken auf die andere Seite zu klettern. Man rät uns aufgrund der Witterung und des Regens jedoch davon ab. Stattdessen wählen wir den Weg über die Berge und der erste steile Aufstieg mit 37 kg Gepäck auf dem Rücken hat es ganz schön in sich. Oben angekommen geht es dann zuerst einmal ohne weitere große Steigungen weiter.

Plötzlich verfinstert sich der Himmel. Ein ohrenbetäubender Knall reißt uns aus unserem Trott. Ein Gewitter zu dieser Jahreszeit auf Island? Hier oben gibt es keinerlei Unterschlupf! Ein weiteres dunkles Grollen ertönt. Es klingt gewaltig und gefährlich. Mit einem Mal fühle ich mich winzig inmitten dieser unberührten Natur. Etwas Wind kommt auf und es fängt erneut an zu regnen… aber das Gewitter bricht zu unserem Glück nicht über uns herein.

Fünf Minuten später ist der Spuk vorbei und die Sonne kämpft sich einen Weg durch die übermächtige Wolkendecke. Erleichtert wandern wir weiter bis zu unserem ersten Rastplatz.

Der erste Tag ist geschafft. 

Die Landschaft, das Wetter und die Einsamkeit ziehen mich in ihren Bann. Es ist fantastisch!

Körperlich ist so eine Trekkingtour in diesem unwegsamen Gelände und mit insgesamt 37 kg Ausrüstung sicherlich eine große Herausforderung. Konditionell und kräftemäßig fühle ich mich bisher sehr gut. Wären da nicht die immer stärker werdenden Schmerzen oberhalb meiner rechten Hüfte könnte ich die Tour in vollen Zügen genießen. Aber besonders bergauf ist es extrem unangenehm. Warten wir ab, was der morgige Tag bringt.


Die Nacht war ruhig und kalt!

Offensichtlich habe ich ein höheres Wärmebedürfnis als gedacht. Mein Schlafsack soll einen Komfortbereich bis +2 Grad Celsius haben, und in der Nacht wird das Thermometer nicht unter 5 Grad gefallen sein. Trotzdem wache ich gegen 4:00 Uhr vor Kälte auf. Ich ziehe mir zusätzlich einen Fleece und ein zweites Paar Socken an und schlafe sofort wieder ein. In den nächsten Tagen soll es kälter werden... Der nächste Morgen verwöhnt uns aber mit Sonne, und ich freue mich auf den nächsten Streckenabschnitt.

Da wir keinen ausgewiesenen Weg laufen, müssen wir uns immer wieder anhand von GPS und Karte orientieren. Manchmal hilft aber auch das nicht, und wir müssen den Weg einfach suchen. Das führt uns mitunter auch mal in eine Sackgasse und wir müssen einen Teil des Weges wieder zurück laufen. Einer der Gründe, weshalb man sich auf einer solchen Tour nicht zu viele Kilometer pro Tag vornehmen sollte. 

Das Wetter ist auf Island immer ein Thema. Der heutige Tag bleibt extrem wechselhaft. Regen und Sonne im Minutentakt, dramatische Wolken jagen über den Himmel. Das Licht ist oft zu schlecht und kontrastarm um ernsthaft zu fotografieren. 

Aber dann gibt es wieder diese kurzen Momente in denen einfach alles stimmt!

 

To be continued...